
“Bei mir können die Leute ruhig ins Profil gucken, ich habe nichts zu verbergen”, wenn ich solche Aussagen von Normalsterblichen in Bezug auf Facebook höre, könnte ich kotzen. Das sind Leute, die ums Verrecken nicht verstehen wollen, das es nicht nur darum geht vielleicht etwas unangenehmes, verbotenes, wtf auch immer zu verbergen, sondern darum die eigene Privatsphäre, sowie die Privatsphäre Dritter zu wahren.
Niemals im Leben würden diese Leute auf die Idee kommen, sich in der Öffentlichkeit über private Dinge zu unterhalten und Dritte daran teilhaben zu lassen, nur weil diese über gefühlte 5 Ecken mit dem Gesprächspartner in einer Beziehung stehen. Bei Facebook ist das anders, da glauben diese Leute nur, weil sie alleine an einem PC sitzen, hört niemand zu. Doch selbst wenn es keine Zuhörer geben würde, wäre dort noch immer Facebook selbst – die Datenkrake die nichts vergisst.
Der 23 jährige Max Schrems aus Wien hat jüngst Facebook in 22 Punkten angezeigt. Damit hat der Jura Student das erreicht, was Bundesministerin Ilse Aigner vergeblich angestrebt hat, nämlich die Ankündigung einer Betriebsprüfung. Da europäische Nutzer einen Vertrag mit Facebook Ireland Limited geschlossen haben und Irland zur EU gehört, ist Facebook laut geltendem EU-Recht dazu verpflichtet, jedem Benutzern Auskunft über die gespeicherten Daten zu seiner Person mitzuteilen, wenn diese angefordert werden. Max Schrems hat genau diese Informationen angefordert und nach einigem hin und her satte 1200 Din A4-Seiten als PDF erhalten.
Die aufgeführten Informationen umfassten drei Jahren Mitgliedschaft, welche nicht nur aktuell eingestellte Informationen enthielten, sondern auch Login-Daten, Browserinformationen, Ortsangeben, Status-Posts, Chat Protokolle und Mails, von denen Max Schrems dachte, sie seien schon längst gelöscht worden.
Ich selbst habe meinen Facebook Account vor rund zwei Wochen gelöscht, da ich mir die stellenweise erheblichen Belästigungen in Form von Anfragen, Einladungen zu Events, Spielanfragen und Co. nicht länger antun wollte. Gut, man kann solche Leute oder derartige Anfragen blockieren, aber leider muss dies immer gezielt passieren und kann nicht allgemein in den Einstellungen festgelegt werden. So wird Facebook bei einem großen “Freundeskreis” dann zu einem Fulltimejob.
Auch könnte man derartige Störenfriede einfach blockieren, doch das ist für mich nicht Sinn und Zweck eines sozialen Netzwerks. Die Möglichkeit selbst bestimmen zu können, welche Informationen man preisgeben möchte und welche man erhalten will, solle für jeden klar ersichtlich gegeben sein. So würde mir Facebook weitaus mehr Spaß machen, denn der Dienst an sich ist nicht verkehrt.
Neben einem Interview mit Max Schrems, findet sich im Blog von Richard Gutjahr eine Anleitung, wie man seine Daten bei Facebook anfordern kann. Die angeforderten Daten beinhalten weitaus mehr Informationen, als beispielsweise jene, welche Facebook allen Benutzern zum Download über das Profil anbietet. Um rauszufinden, was das für Daten sind, habe ich meinen Account reaktiviert und nach dieser Anleitung meine Daten angefordert.
Es soll ein paar Wochen dauern, bis ich aus den USA eine CD mit den beantragten Informationen erhalte. Ich bin sehr gespannt, was ich alles darin finden werde, denn immerhin umfasste meine Mitgliedschaft bei Facebook einiges mehr als drei Jahre – wobei ich des öfteren eine Pause eingelegt habe. Sobald die CD bei mir eintrudelt, werde ich über den Umfang dieser Daten berichten. Aufgrund der Pausen glaube ich nicht an einen Umfang von 1200 Din A4-Seiten, doch ich bin sehr gespannt auf die gesammelten Protokolle und Mails.
Die Idee von Richard Gutjahr ist es übrigens, das so viele Benutzer wie möglich Ihre Daten anfordern. Vielleicht sorgt der daraus resultierende Arbeitsaufwand bei Facebook für Einsicht und dem Benutzer wird endlich die Möglichkeit geboten, seine Daten bestimmt und unwiderruflich zu löschen. Na, habt Ihr nicht auch Lust mal zu kontrollieren, was Ihr schon längst vergessen habt, Facebook aber noch weiss!? 