
Da ist er wieder, mein Lieblingssatz von kurzsichtigen Menschen, mit denen man sich über den aktuellen Report des CCC zum Staatstrojaner unterhält – „Ich habe ja nichts zu verbergen!“, da könnte ich direkt so loskotzen. Nichts zu verbergen, außer seiner Privatsphäre und der eigenen Sicherheit in einem wohl wirklich gefährlichen und ernstzunehmenden Raum, dem Internet.
Ich frage mich, ob solche Leute durch die Stadt laufen und Passanten freiwillig private Daten, Familienfotos, Emails, das Surfverhalten oder Sonstiges mitteilen, weil sie ja nichts zu verbergen haben?! Ich frage mich, ob diese Leute die Wohnungstür niemals abschließen oder in aller Öffentlichkeit der Körperpflege nachgehen, weil sie ja nichts zu verbergen haben?!
Sicherlich etwas hinkend ausgedrückt, aber denkt doch bitte mal nach. Jeder von uns hat etwas zu verbergen und zu schützen, oder sind Privatsphäre und Eure eigene Identität für Euch kein wertvolles Gut, nur weil sie keine greifbaren Wertgegenstände sind? Man muss kein Straftäter sein, um etwas zu haben, was sich zu verbergen lohnt.
Ich kann nicht verstehen, wie sich viele deutsche Staatsbürger über die Machenschaften der Stasi in der ehemaligen DDR aufregen können, um sich dann bei derartigen Themen so kurzsichtig zu geben. Wie kann man die Zensur und Überwachung in Ländern wie China verteufeln, wenn man dieses Treiben durch Unwissenheit, Desinformation oder Ignoranz toleriert?
Der Report des CCC deckt mal wieder auf, dass die Arbeit der Kontrolleure unbedingt kontrolliert werden muss. Dies sollte von fähigen Leuten getan werden, welche ggf. auch die dunkle Seite der Macht kennen. Diese Leute sollten nicht nur von der Nasenspitze bis zum Monitor denken, sondern über einen gewissen Weitblick verfügen.
Der CCC hat ja nun nicht zum ersten Mal Bedenken zu Sinn und Zweck sicherheitsrelevanter Dinge geäußert, welche uns alle etwas angehen, zumal hier nicht nur mit Informationen zu unserer Person gespielt wird, sondern auch unsere Steuergelder verzockt werden.
Nur mal so kurz angerissen, was auch Laien aus dem Report des CCC rauslesen können. Es handelt sich dabei um eine Software, welche nicht für die für verfassungswidrig erklärte “Online-Durchsuchung” konzipiert wurde, sondern um eine derzeit legale Variante, die sogenannte “Quellen-Telekommunikationsüberwachung” (Quellen-TKÜ).
Normalerweise werden Internet-Telefonie-Verbindungen verschlüsselt. Die Quellen-TKÜ greift noch vor der Verschlüsselung ein und ermöglicht so das Abhören. Der dazu eingesetzte Staatstrojaner darf nur für diesen Zweck verwendet werden, was durch technische und rechtliche Maßnahmen sichergestellt werden sollte.
Der CCC hat sich nun der technischen Seite angenommen und diese etwas genauer untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass der Staatstrojaner wohl weitaus mehr kann, als er eigentlich sollte. So ist es wohl auch möglich, nachträglich Software auf das Zielsystem aufzuspielen, Daten zu löschen und zu verändern. Sehr bedenklich, wenn man sich mal vorstellt, was auf diesem Wege mit möglichen Beweisen angestellt werden könnte.
Auch soll es möglich sein, aus dem eigentlichen Lauschangriff einen Spähangriff machen zu können. Dies bedeutet, es kann z.B. auf Mikrophon, Kamera und Tastatur zugegriffen werden. Ein „Angreifer“ könnte Euch also beim Blick auf die Finger beobachten und zuhören. Viele Laptops haben eine Webcam integriert… wo nutzt Ihr Euren Laptop? Im Wohnzimmer, im Bett, im Arbeitszimmer oder generell am Arbeitsplatz und unterwegs!? Beruhigend zu wissen, dass man egal wo beobachtet werden könnte, oder?
Was die ganze Angelegenheit noch pikanter macht, ist die Tatsache, dass bei der Entwicklung des Staatstrojaners wohl mächtig geschlampt worden ist. So ist es nach Aussagen des CCC auch nur mäßig begabte Angreifer möglich, sich den Behörden gegenüber als eine bestimmte Instanz des Trojaners ausgeben und gefälschte Daten abliefern. Soll bedeuten, man muss kein erfahrener und böser Hacker sein, um ein infiziertes Zielsystem einen Besuch abzustatten. Also könnte nicht nur der Staat Euch überwachen, sondern auch Dritte… mäßig begabte Anwender… und davon gibt es viele.
Auch bedenklich ist die Tatsache, dass die Steuersignale des Staatstrojaners über einen Proxy-Server in den USA umgeleitet werden. Somit unterliegen diese Daten nicht mehr dem deutschen Recht. Schlimmer noch, diese Daten können dann zusätzlich von US-Behörden eingesehen werden, denn nach dem “Patriot Act”, dem Antiterror-Gesetzespaket, ist ihnen dies somit erlaubt.
Der CCC stellt zudem fest, dass die Verschlüsselung des Staatstrojaners gänzlich mies ist. Selbst wenn man nicht durch den Trojaner auf einen Zielrechner zugreifen kann, könnte man ggf. abgefangene Datenpakete des Netzverkehrs in Ruhe auspacken und untersuchen.
Liest man sich den Report des CCC in Ruhe durch, könnte man zu dem Schluss kommen, dass manch ein von „Hackern“ entwickelter Trojaner, nicht nur weitaus professioneller entwickelt wurde, sondern auch ohne die Verschwendung von Steuergeldern seinen Weg auf viele Zielrechner gefunden hat.
Habt Ihr wirklich nichts zu verbergen? Seid Ihr wirklich so naiv? Findet Ihr den Verstoß gegen ein Gesetz vom Gesetzgeber selbst rechtens?





