Angespielt: Dark Souls

    Mit Dark Souls ist ein grandioses RPG für die Xbox 360 veröffentlicht worden, welches absolut nicht mit einem 0815 Casual Hack and Slay zu vergleichen ist… und das ist auch gut so! Der Vorgänger Demon’s Souls galt seinerzeit als eines der härtesten – wenn nicht sogar als das härteste RPG. Publisher Atlus hat es aus dem Land der aufgehenden Sonne, in die neue Welt geholt und somit konnte ich mich bereits mit Demon’s Souls auf der PS3 vergnügen.

    Naja, vergnügen mehr oder weniger, denn dieses untypische RPG schien nicht der Geschmack der breiten Masse zu sein und somit hat mich auch mein Freundeskreis gänzlich allein mit den Kreaturen der Dunkelheit gelassen. Aus Mangel an potentiellen Spielern in meiner Freundesliste habe ich Demon’s Souls schnell an den Nagel gehängt.

    Um so erfreulicher ist es nun für mich zu sehen, das Dark Souls bei vielen Spielen in Deutschland gut ankommt. Es ist schon erstaunlich, wie beliebt ein Nieschenspiel werden kann, wenn man es nur an die große Glocke hängt. Der Weg auf die Xbox 360 hat sich auf jeden Fall gelohnt und ich habe inzwischen ausreichend Spielstunden zu verbuchen, um mir eine Meinung zu diesem Titel bilden zu können.

    Was mich an Dark Souls reizt…
    Der Reiz dieses Spiels liegt für mich in der Herausforderung an sich. Dark Souls gilt wie bereits der Vorgänger, als ein äußerst hartes Spielerlebnis. Hier kann ein schwach anmutender Gegner, zu einer großen Gefahr für Leib und Seele werden und das im wahrsten Sinne des Wortes.

    In vielen Rollenspielen kann man sich durch Blocken, Ausweichen und Rollen vor Angriffen schützen, doch selten kommen diese Techniken wirklich zu tragen. In Dark Souls sind diese jedoch essentiell wichtig! Schnell wird dem hier Spieler klar, dass kopfloses Vorgehen zum vorzeitigen Ende des virtuellen Lebens führen kann.

    Der Tod bringt für den Spieler zudem einiges an unangenehme Konsequenzen mit sich. Fortan geht man als Hüllenloser durch die Welt, ein Zustand, der den Spieler z.B. einiger wirklich guten Online-Gimmicks beraubt. So kann man als Hüllenloser keine von Spielern hinterlassenen Hinweise mehr lesen oder diese zur Hilfe rufen. Zusätzlich verliert man mit dem Tod die bereits gesammelten Seelen, welche in Dark Souls Währung und “Erfahrungspunkte” zugleich sind.

    Doch noch ist nicht alles verloren! Am Ort des Ablebens hinterlässt der Verstorbene die verlorenen Seelen, sowie seine Menschlichkeit. Man hat nun genau einen Versuch diese zu erreichen und wieder an sich zu nehmen. Stirbt man bei diesem Versuch erneut, ist es das gewesen und man kann sich neben den Seelen, auch von der somit verlorenen Menschlichkeit verabschieden.

    Die Tatsache, dass der Tod hier eine wirkliche Konsequenz hat, lässt den Spieler automatisch vorsichtig und mit einer ganz anderen Spielweise an Dark Souls rangehen. Die dadurch geschaffene Atmosphäre ist großartig, und wenn man richtig in seiner Partie vertieft ist, bekommt man stellenweise sogar Angst um die nächste Ecke zu gehen. ;)

    Dieser Umstand in Kombination mit dem recht hohen Schwierigkeitsgrad reizt mich sehr und macht Dark Souls für mich zu einem richtig guten RPG, abseits des typischen Einheitsbreis. Ein handfestes RPG, welches eine richtige Herausforderung, für frustresistente Liebhaber dieses Genres ist.

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    Eine Klasse für sich…
    Eine große Auswahl an Klassen steht dem Spieler zur Verfügung und lässt dabei keine Wünsche offen. Theoretisch könnte man sich aus jeder dieser Klassen einen individuell angepassten Charakter erschaffen, doch wären die nötigen Ressourcen, um beispielsweise einen Ritter zu einem ordentlichen Kampfmagier zu machen, mit unter sehr teuer.

    Jede Klasse spielt sich aufgrund der charakteristischen Eigenschaften einzigartig. Dies wird dem Spieler vor allem dann bewusst, wenn er z.B. als Dieb versucht eine stärkere Waffe zu benutzen. Das recht früh im Spiel erhältliche Drachenschwert z.B. benötigt mindestens eine Stärke von 16, um dieses einhändig und somit ordentlich nutzen zu können. Ein Dieb müsste dazu erst 6 Level aufsteigen und wertvolle Ressourcen verbraten, wohin ein Ritter diesen Zachabel dann direkt schwingen kann.

    Besonders zu Beginn des Spiels ist die Wahl der Klasse ausschlaggebend dafür, wie schwer es unser virtueller Recke am Anfang haben wird. Der Jäger ist für Einsteiger besonders gut geeignet, da er recht ausgeglichen ist und zu Beginn direkt über einen Bogen verfügt. Der Fernkampf ist in Dark Souls stellenweise von unschätzbarem Wert, somit ist der Jäger mit seinem Bogen vom Start an gut ausgestattet.

    Neben den spezifischen Stats jeder Klasse verfügen diese vom Start weg über eine besondere Fähigkeit bzw. Eigenschaft. Der Dieb – welcher auch meine Wahl gewesen ist – verfügt direkt über einen Generalschlüssel, mit dessen Hilfe sich die eine oder andere Tür direkt öffnen lässt. Zusätzlich kann jede Klasse eine Gabe auswählen, welche ihm im weiteren Verlauf des Spiels zur Verfügung steht.

    Das richtige Werkzeug…
    Das Waffenarsenal von Dark Souls ist ordentlich groß und lässt keine Wünsche offen. Doch die Wahl der richtigen Waffe ist hier nicht immer eine Frage der persönlichen Vorliebe. Mit der Wahl der Klasse legen wir wie üblich den Grundstein für die von uns bevorzugte Waffenklasse. Im Verlauf des Spiels findet sich zwar einiges an Kriegswerkzeug, doch nicht alles ist unbedingt brauchbar.

    Es ist durchaus angebracht, das ein Speerkämpfer in engen Gängen die Gegner ein wenig näher an sich rankommen lässt und zugunsten von mehr Bewegungsfreiheit von seiner bevorzugten Waffe z.B. auf ein Kurzschwert wechselt. Je nachdem mit welcher Waffe man arbeiten möchte, ist der zur Verfügung stehende Platz von entschiedener Bedeutung. Doch nicht nur wir haben es schwer in engen Gängen mit großen Waffen zu kämpfen, auch unsere Feinde haben damit ihre Probleme, was durchaus ausgenutzt werden kann.

    Hat man sich erstmal auf eine Waffe eingeschossen und diese für sich entdeckt, gibt man sie auch nicht so schnell wieder her. Bei einem Schmied können wir Waffen und Rüstungen verstärken, was wiederum für tiefe Einschnitte im Seelen-Portemonnaie sorgt. Im Gegensatz zu vielen anderen Rollenspielen behält man seine Waffen aus diesem Grund weitaus länger, bevor man sie durch eine andere ersetzt. Das Gleiche gilt für Rüstungsteile, welche wir zwar häufig von unseren Gegnern erbeuten, doch grad zu beginn des Spiels nur selten von Nutzen sind.

    Besondere Gegner belohnen uns mit besonderen Seelen. So können die Seelen mancher Bosse in Kombination mit vorhanden Waffen zu einem gefährlichen Kampfgerät werden. Diese Umwandlung nimmt ebenfalls der Schmied für uns vor, doch zuvor wird für diesen Vorgang wieder ein besonderes Item benötig. Da gute Waffen nur selten zu finden sind, sollte man diese auch pflegen. Rechtzeitig warnt ein Hinweis, auf den drohenden Verlust durch Verschleiß. Spätestens dann ist der Wechsel zu einer Alternative sinnig und der Gebrauch eines Reparatursatzes oder der Besuch des Schmiedes unverzichtbar.

    Kleiner Tipp: Ziemlich zu Beginn des Spiels ist es möglich, ein mächtiges Drachenschwert für sich zu gewinnen. Dieses ist, ohne Probleme für jeden zu bekommen, es bedarf dazu lediglich einen Bogen und ausreichend Pfeile. Das Schwert benötigt wie oben bereits erwähnt, eine Stärke von 16, um dieses einhändig führen zu können. Doch auch mit einer Stärke von 13-14 ist es als beidhändige Waffe nicht zu unterschätzen und äußerst mächtig. Der Grundschaden von 200 ist nicht zu verachten und erleichtert die kommenden Spielstunden enorm.

    Zeig mir den Weg…
    Hat man sich für eine Klasse entschieden, wird man durch ein äußerst kurzes Tutorial in die Welt von Dark Souls eingeführt. Hier trifft man auch auf einen der ersten “Bossgegner”, an welchem viele Spieler bereits gnadenlos verzweifeln, obwohl dieser im Gegensatz zu vielen kommenden Bossen sehr, sehr leicht zu legen ist — wenn man weiss, wie man es anstellt.

    Unsere erste Aufgabe soll es sein, zwei Glocken zu läuten, welche sich an unterschiedlichen Orten befinden. Gut und schön, das soll das Problem nicht sein, doch wo finden wir diese Glocken? Spätestens jetzt fällt vielen Spielern auf, dass Dark Souls gänzlich ohne Map auskommt. Hier gibt es keine leuchtenden Wegweiser, keinen Kompass, der uns führt oder sonstige Navigationshilfen, die uns durch unser Abenteuer begleiten.

    Generell ist der Informationsgehalt des Spiels recht übersichtlich. Man ist sich zwar stets seiner Aufgabe bewusst, doch Informationen zur Erfüllung des Missionsziels werden nur in kleinen Happen gegeben. Auch Ingame Informationen zu Items oder der Möglichkeit einen Eid abzulegen und den möglicherweise daraus resultierenden Konsequenzen, gibt es nur wenig. Hier ist es hilfreich, sich generelle Informationen, aus einer übersichtlichen FAQ zu ziehen. Dark Souls, als auch Demon’s Souls, gehören für mich zu den wenigen Spielen, für die sich die Anschaffung eines Guides durchaus lohnen kann.

    Ich bin der Farmer…
    Bisher sind Demon’s Souls und Dark Souls die einzigen Spiele, mit einem derartigen Levelsystem – zumindest kenne ich selbst kein anderes Spiel, welches darüber verfügt. Tritt man einen Gegner aus dem Leben, bekommt man dafür Seelen gutgeschrieben. Anders als in jedem 0815 Rollenspiel, gibt es für das Legen von Gegnern keine zusätzlichen Erfahrungspunkte, welche für einen automatischen Levelaufstieg sorgen.

    Die so gesammelten Seelen kann man beim NPC gegen Waren eintauschen. Waffen, Rüstungen, Schmuck oder magische Gegenstände, finden sich im Reparatur der Händler. Doch sollte man vor dem Kauf immer abwägen, ob man die gesammelten Seelen in Ausrüstung investieren möchte oder gar muss. Nicht nur die oben benannten Items werden mit den Seelen gekauft, sondern auch der Aufstieg zum nächsthöheren Level.

    Pro Levelaufstieg kann man einen seiner Stats um jeweils einen Punkt verbessern. Für jeden weiteren Levelaufstieg muss man zunehmend tiefer in die Seelentasche greifen und so überlegt man es sich in der Tat zweimal, worin dieses kostbare Gut zu investiert ist. Der Wert dieser Ressource ist also Items und somit ist der Verlust durch den Tod mitunter richtig ärgerlich, da unter Umständen einige Levelups dadurch verloren gehen können.

    In Zeiten, in denen Seelen Gold wert sind, werden altmodische Zahlungsmittel vollkommen außer Acht gelassen. Es ist also nicht möglich, seelenlose Gegenstände beim nächsten Händler zu verkaufen und so in klingende Münze zu verwandeln. Die gesammelten Items können also nicht zusätzlich an den Mann gebracht werden und verbleiben als totes Kapital im Inventar.

    Da man also nicht durch den Verkauf von Items an zusätzliche Seelen für den nächsten Levelup kommt, bleibt einem nichts anderes übrig, als diese zu farmen. So ist es in Dark Souls absolut keine Seltenheit, ein Gebiet mehrmals zu durchqueren, um die dortigen Gegner ihrer Seelen zu berauben.

    Entfache dieses Feuer…
    Eher früher als später hat man sein Leben verwirkt. Anders als im Vorgänger findet man sich in solch einem Fall an einem Leuchtfeuer wieder. Diese sind im ganzen Land verteilt und diesen als Spawnpunkt, wobei man dann als Hüllenloser jeweils beim zuletzt besuchten bzw. entfachten Leuchtfeuer startet. Doch die Leuchtfeuer übernehmen noch andere Funktionen, so kann man hier seinen Vorrat an Estus-Flakons wieder aufstocken, welches die einzigen Heiltränke dieser Art im Spiel sind. Ansonsten sind Heiltränke in der Welt von Dark Souls weder zu finden, noch käuflich zu erwerben.

    Auch für einen Levelaufstieg ist ein Leuchtfeuer zu besuchen, doch wie alles im Leben, sollte auch diese Entscheidung gut überlegt sein. Durch den Besuch eines Leuchtfeuers kommt man zwar in den Genuss frischer Estus-Flakons oder kann sich einen Levelaufsteig erkaufen, doch der Preis dafür kann unter Umständen recht hoch sein. Bei jeder Rast respawnen die Gegner in der näheren Umgebung erneut und somit darf man sich wiederholt durch diese durchschlagen.

    Du bist nicht allein…
    Das Schöne und Einzigartige an Dark Souls ist, das man niemals wirklich allein zu sein scheint. Ständig läuft man schemenhaften Gestalten über den Weg, welche symbolisch für reale Spieler stehen, die sich gerade an genau diesem Ort befinden. Diese Spieler können uns nützliche Informationen hinterlassen, welche von uns in Form einer Notiz gelesen werden können. Teilweise beinhalten diese Notizen wirklich hilfreiche und nützliche Informationen, doch teilweise wird man auch durch falsche Aussagen in die Irre geführt.

    Immer wieder finden sich Blutlachen auf dem Boden, mit denen man interagieren kann. Klickt man eine solche Blutlache an, wiederholt sich der Todeskampf eines realen Spielers. Hier wird der Verstorbene ebenfalls durch eine Geistergestalt dargestellt und man sieht die letzten Sekunden vor seinem Tod. Wodurch dieser letzten Endes gestorben ist, kann diesem Rückblick nicht entnommen werden, jedoch ist diese ein Hinweis auf eine drohende Gefahr.

    Neben normalen Spielernotizen, welche in einem rötlichen Licht schimmern, stolpert man ab und an über helle Rufzeichen. Diese Zeichen werden von Spielern auf den Boden gemalt, welche an dieser Stelle um Hilfe bitten. Somit ist es möglich, on the fly in ein anderes Spiel einzutauchen, um gemeinsam Bossgegner zu legen und knifflige Stellen zu umschiffen. Rufzeichen können allerdings auch von NPCs stammen, welche uns z.B. aufgrund eines abgelegten Eids, in bevorstehenden Kämpfen unterstützen.

    Es gibt jedoch nicht nur menschliche Mitstreiter, sondern auch menschliche Widersacher. Diese können durch Hilfe eines speziellen Items, in die Welt fremder Spieler eintreten, und dort als Phantom den Zweikampf suchen. Ein solcher Besuch kann sehr überraschend kommen und äußerst unangenehm sein. Aus diesem Grund kann man solch bösartige Überfälle anprangern und solche Spieler auf eine öffentliche Ächtungsliste setzen. Diese ist z.B. beim Bishop für jeden käuflich zu erwerben und somit einzusehen. Wer nicht unbedingt Lust auf die Story des Spiels verspürt, kann sich also auf die Jagd nach Sündern begeben.

    Indirekt können sich Spieler auch gegenseitig unterstützen, z.B. durch die gemeinsame Rast an einem Leuchtfeuer. Erholt man sich grade selbst bei gemütlicher Lagerfeuerromantik und ein menschlicher Mitstreiter gesellt sich “unbewusst” zu Euch, werdet Ihr dafür mit einem zusätzlichen Estus-Flakons belohnt. Setzte man sich durch ihre Lage günstig gelegene Leuchtfeuer und verweilt dort für einige Zeit, kann man ggf. mit einer Vielzahl an zusätzlichen Heiltränken sein Abenteuer fortsetzen.

    Und die Moral von der Geschichte…
    Ich bin kein großer Fan von der verbissenen Jagt nach Gamescore oder Trophäen, doch eine virtuelle Auszeichnung, für den erfolgreichen Abschluss dieses Spiels, wäre sicherlich eine feine Angelegenheit – doch ob ich diese jemals bekommen werde, steht auf einem anderen Blatt. Wer sich auf Dark Souls einlässt, sollte äußerst frustresistent sein und sich damit abfinden, dass der Spieldurchlauf aller Wahrscheinlichkeit nach nicht innerhalb von 10 Spielstunden abgefrühstückt sein wird.

    Ich persönlich finde Dark Souls ganz große Klasse. Hier handelt es sich für mich um ein Spielerlebnis der ganz besonderen Art, welches trotz zahlreich frustrierender Momente, stets zum Weitermachen animiert. Hat man hier einen der Bossgegner elegant auf die Matte geschickt, ist man danach schon ein Stück weit stolz auf diese Leistung. Die Atmosphäre, die hier durch Gameplay und Sound geschaffen wird, ist einzigartig und machen dieses Spiel für mich zu einem der top Titel in diesem Jahr.

    Eine generelle Kaufempfehlung würde ich nur demjenigen aussprechen, der wirklich gewillt ist, sich mit einer harten Nuss auseinanderzusetzen. Casual Gamer, welche glauben das World of WarCraft das Mass aller RPG-Dinge ist oder denken, das stumpfsinnige Rumgekloppe in einem Hack and Slay sei schwer, würde ich vom Kauf abraten. Grundsätzlich sollten Unentschlossene sich vor dem Kauf auf den Weg in die örtliche Videothek machen, um sich Dark Souls mal über ein Wochenende mal anzuschauen.

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    Posted on by Otti in Games, Xbox 360

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