
Er ist der ‘Best of Gamescom 2010′ Sieger unter den Shootern, er wurde sehnlichst erwartet und sorgte bereits im Vorfeld dafür, dass die typische Hype Maschinerie auf Hochtouren lief. Die Rede ist von Crytek’s neuster Referenz und laut eigener Aussage einem [...]visually stunning, next-generation FPS[...] – Crysis 2.
Liegt man krank im Bett, kommt schnell Langeweile auf und man sucht nach jeder Form der Beschäftigung. Da erschien mir Crysis 2 als sehr gutes Mittel zum Zweck, und da meine Xbox 360 dem R.O.D. zum Opfer gefallen ist, habe ich mir diesen Titel in der Limited Edition für die PS3 zugelegt. Nachdem die Demo meine 360 auch ohne R.O.D. dazu animierte, ständig einzufrieren oder gänzlich abzustürzen, wollte ich mir Crysis 2 zunächst eigentlich sparen. Wenn schon die Demo nicht lauffähig ist und gepatcht werden muss, wie soll dann das Endprodukt werden!?
Wie dem auch sei, jetzt habe ich es und es erfüllt seinen Zweck, denn ich werde unterhalten. Nachdem man sich im ersten Teil noch auf einer tropischen Insel vergnügen durfte, verschlägt es uns nun nach New York, der Stadt, die niemals schläft. Recht dramatisch werden wir in die Story geworfen, bekommen einen direkten Blick auf das zerstörte Wahrzeichen von NY geliefert und werden von einem mysteriösen Kerl in einem flotten Strampelanzug gerettet.
Aus noch ungeklärten Gründen möchte unser Retter sich sein Leben nehmen, doch zuvor steckt er uns noch in seinen Strampler. Dieser Strampler entpupt sich als Nanosuit zwo punkt null und stellt das derzeit modernste Kriegsgerät der menschlichen Welt dar. Der Anzug ist darauf ausgerichtet, sich rasch an jede Kampfsituation anzupassen. Durch Umleitung von Energie kann man den Focus auf die Panzerung des Anzugs legen, oder auf dessen Tarneigenschaften.
Doch der Anzug kann noch mehr und hat Großes mit uns vor, was dem Spieler im weiteren Verlauf schnell klar wird. Um das Geheimnis des Anzugs zu lüften, um zu erfahren, wer unser Retter Prophet gewesen ist und was der Verschwörungstheretiker Gould von uns möchte, müssen wir uns gegen das Militär, gegen die dubiosen C.E.L.L.-Einheiten und sogar gegen Aliens behaupten.
Die Story ist meiner Meinung nach gut verpackt und wird schön inszeniert. Sie ist sicherlich nicht der absolute Burner, aber interessanter und sicherlich packender, als die manch anderer Vertreter dieses Genres.
Da ich die Demo nicht anspielen konnte und quasi die Katze im Sack gekauft habe, war ich auf zwei Dinge besonders gespannt. Zum einen auf den Multiplayer, welcher nicht selten aus einer gesunden Mischung zwischen Battlefield und Call of Duty beschrieben wurde, zum andern auf die optische Umsetzung, welche Crytek selbst in den Himmel lobt und auf die sich scheinbar jede Grafikhure einen kloppen geht.
Gut, fangen wir so an, die Grafik ist wirklich sehr gut, die CryENGINE 3 leistet da echt Enormes! Es gibt jede Menge Details in dem Spiel, die nähere Umgebung ist schön gemacht und insgesamt wirkt alles wie aus einem Guss. Sehr gut gefallen mir die stellenweise krassen Übergänge, von dunklen Tunneln oder Gebäuden, raus ans grelle Tageslicht. Die ganze Atmosphäre im später zerstörten New York wird dem Spieler super rübergebracht. Doch das sind Punkte, die man ja überall nachlesen kann…
…mich hat es eher verwundert, das bei all dem Lob und dem ganzen Hype nur selten jemand sagt, das Crysis 2 vor Fehlern nur so strotzt. Da schweben Sträucher und Gegner durch die Luft, Panzerfahrzeuge kommen wie Hovercrafts daher und Leichen beginnen sich wie von Geisterhand in die Höhe zu bewegen. Bemerkt man solche Fehler zum ersten Mal, denkt man sich noch… was soll’s… doch dann stellt man leider fest, dass derartige Fehler in Crysis 2 an der Tagesordnung sind.
Liebe zum Detail haben einige der Crytek Mitarbeiter bewiesen, so gibt es stellenweise Objekte wie z.B. Ersthilfe-Kästchen, auf denen man die Etiketten der enthaltenen Gegenstände gut sehen kann. Auf der anderen Seite gab es wohl auch grafisch nicht so versierte Mitarbeiter, denn man findet mindestens soviel Objekte im Spiel, die einfach nur nach Pixelbrei aussehen.
Die gute Spielemechanik, Look and Feel, gepaart mit der Story, lassen aber über derartige Fehler noch hinwegsehen. Doch der aufmerksame Spieler stösst grad nach solchen Patzern auf immer mehr Fehler im Spiel. So gibt es z.B. auch Glasscheiben, die völlig lautlos zerbrechen. Schießt man ein Loch in einen Feuerlöscher, dann kehrt dieser zwar fleissig sein innerstes nach außen, aber hören tut man davon nichts – und das wo schon Duke Nukem 3D diesen Effekt toll drauf hatte.
Was die Optik und Soundkulisse des Spiels angeht, habe ich aufgrund des Hypes erwartet, das mich hier ein optischer Leckerbissen like Killzone 3 erwarten würde. Nicht falsch verstehen, die Grafik ist wirklich super, doch optisch liefert Killzone 3 im tadellosen Zusammenspiel mit dem Sound einfach die bessere Atmosphäre. Wäre ich eine Grafikhure und würde jeden Pixel auf die Goldwaage legen, würde ich den Hype um die Optik als ungerechtfertigt bezeichnen, so interessiert er mich jetzt einfach nicht mehr. ![]()
Der Multiplayer soll laut O-Ton eines englischen Kollegen von mir ‘Focking Bombe Alda’ sein. Da ich ‘Focking Bombe’ Multiplayer liebe, habe ich mich darauf sehr gefreut. Eine Mischung aus BF & CoD habe ich aber vergeblich gesucht. Der Multiplayer greift für mich Dinge aus bekannten Shootern auf, bringt diese zusammen und reichert das Ganze mit eigenen Elementen gut an oder verbessert meines Erachtens manch altes Rad.
Wie in Call of Duty, gibt es auch in Crysis 2 die Killstreaks, welche man durch Erfolgreiches eliminieren von Gegenspielern in Serie bekommt. Hier reicht es zu Beginn aber nicht, sich in eine Ecke zu hocken und die begehrte Serie an Abschüssen zu sammeln, sondern man muss sich zunächst noch die Dog-Tags des Gefallenen krallen. Finde ich persönlich sehr gut, thumbs up! Durch ein Upgrade kann dieser Vorgang automatisiert werden, doch soweit muss erstmal gespielt werden.
Die gesammelten Erfahrungspunkte teilen sich auf die speziellen Eigenschaften des Nanosuits auf. Abgesehen vom eigenen Level, steigt man so auch in den Bereichen Panzer-, Stealth und Energiemodule auf. Vordefinierte Klassen sind der Angreifer, Späher, Scharfschütze und Schütze. Wie in CoD, kann der Spieler sich eine benutzerdefinierte Klasse basteln, Waffen und Gadgets freispielen. Alles in allem ist der Multiplayer recht solide, die Maps sind schön gestaltet, doch das Freispielen der einzelnen Modi nerven mich ein wenig. Warum darf ich CTF erst mit einem höheren Level spielen? Ist doch Schwanz…
Da fällt mir ein… dank Limited Edition habe ich für meine SCAR den Waffenaufsatz ‘Hologramm-Täuschziel’, welchen ich natürlich mal testen wollte. Es kann natürlich sein das Ich blind bin und es übersehen habe, wenn dem so ist, verzeiht mit bitte, aber sagt mir in diesem Fall dann auch, wo zum Teufel im Handbuch steht, wie man diesen Aufsatz benutzt!? Oder wie man z.B. den Raketenwerfer einsetzt?! Im ersten Moment steht man da, wie Ochs vorm Berg, doch das nur so am Rande erwähnt.
Online werde ich mit dem Spiel noch nicht so ganz warm. Als Solist wurde ich bisher gut unterhalten. Auf dem Schwierigkeitsgrad ‘Supersoldat’ komme ich aktuell recht smart voran. Hat man den Dreh erst einmal raus und gewöhnt sich daran, das Tarnen und Täuschen mit Geduld und Spucke der beste Angriff ist – zumindest bis jetzt (Level 7 oder
– ist alles gut machbar. Die magere KI kommt mir da bisher sehr entgegen, und die Tatsache, dass Clipping dafür sorgt, dass Gegner in Objekten und Wänden hilflos hängend auf den Tod warten, macht es leicht.
Mein Fazit bisher lautet… Crysis 2 kann froh sein, dass die super Atmosphäre die magere Story ordentlich aufwertet und die Spielmechanik begeistern kann. Auch hier zeigt sich ganz deutlich, es ist nicht alles Gold was glänzt, und wenn man ein wenig objektiv an der Oberfläche kratzt, muss man Patzer ohne Wenn und Aber zugestehen. Runde 10 Stunden soll man als Solist unterwegs sein, was ich für einen Shooter recht ordentlich finde. Der Multiplayer haut mich nicht aus den Socken, doch ich habe mir fest vorgenommen, hier mindestens 8 Stunden Spielzeit zu investieren, bevor ich dazu etwas Endgültiges vom Stapel lasse.
Ein wenig mehr Feinschliff und Crysis 2 wäre ein super Knaller. So ist es eher ein Knallfrosch mit einigen Aufs und Abs, es ist quasi zum cryen. Meine Aussagen in Bezug auf dieses Spiel sind eindeutig, zweideutig zu sehen. Es ist wirklich nicht schlecht, wird dem Hype aber auch nicht gerecht.


