Immer in die Eier

    Wirft man einen Blick auf die in den vergangenen Monaten erschienenen Shootern und den aktuellen Sternen am Action-Himmel, stellen Spieler, deren Messlatte in Bezug auf den Anspruch eines Spiels ein wenig höher liegt schnell fest, dass sich die meisten Shooter gleichen, wie ein Ei dem anderen.

    Aus diesem Grund haben viele Spieler auf den neuen Lichtblick aus dem Hause Epic gewartet. Bulletstorm ist das neue Action-Spektakel, für welches ‘People Can Fly‘ verantwortlich sind.

    Die im Vorfeld erschienen Demo auf dem XBL-Marktplatz, hat bei vielen Spielern für Unmut gesorgt, da sie sich dieses Highscore-Rennen nicht als spielerisches Highlight vorstellen konnten. Doch wer von der Demo enttäuscht wurde, dem sei gesagt, das die Singleplayer Kampagne doch einiges mehr zu bieten hat.

    Vorweg kurz angerissen, worum es in dem Spiel überhaupt geht. Der Spieler übernimmt die Rolle von Grayson Hunt, einem ausgebildeten Killer und ehemaligen Mitglied der Dead Echo Einheit, welche eine absolute Eliteeinheit der Konföderation gewesen ist.

    Auf Befehl von General Victor Sarrano, verübte Hunt mit seinem Squad üble Gräueltaten, in dem guten Glauben, für eine ehrenhafte Sache zu kämpfen. Nachdem dieser Schwindel aufgeflogen ist, quittierte Hunt samt Squad den Dienst auf mehr oder weniger diplomatischer Art und Weise und zieht nun zusammen mit seinen Waffenbrüdern als Weltraumpirat durch die Galaxie, auf dem gekaperten Raumschiff Spectre, welches kurzerhand der Konföderation entwendet wurde.

    Als gejagte und geächtete Crew bleibt Hunt und seinen Kollegen nichts anderes über, als sich durch Raubzüge über Wasser zu halten. Doch launisch, wie das Schicksal nunmal ist, steht die Crew plötzlich bei Sarrano auf der Matte. Hunt, welcher sich schon lange dem Alkohol hingegeben hat, dem es nach Blut und Rache dürstet, entschied für sich und seiner Crew, doch einmal freundlich anzuklopfen. Somit findet der Spieler den Einstieg in die Geschichte von Bulletstorm.

    Nach einer David gegen Goliath ähnlichen Schlacht, welche Goliath augenscheinlich für sich verbuchen konnte, muss unsere Eliteeinheit auf einem Planeten notlanden. Die einheimische Bevölkerung ist alles andere als freundlich und somit muss sich das ehemalige Dead Echo Squad in einer traumhaften Umwelt gegen Mutanten und Horden einer psychopathischen, fleischfressenden Gang auseinandersetzen.

    Zu allem Überfluss erlitt auch der verhasste General auf diesem Planeten Schiffsbruch und diesen gilt es jetzt zu finden, am besten lebend, denn man möchte mit seiner Hilfe schnellstmöglich seinen Arsch von diesem Planeten entfernen.

    Während des Gefechts wurde Hunts bester Freund Ishi Sato schwer verletzt. Der Schiffsarzt Dr. Whit Oliver flickt Ishi wieder zusammen und greift dabei tief in die Nano-Trickkiste. Während er dabei ist, Ishis Körper zu pimpen, wird die Crew von den ‘Wilden’ angegriffen.

    Der Doc lässt bei diesem Angriff leider sein leben und die anderen Crewmitglieder werden abgeschlachtet. Doch wie durch ein Wunder hat Ishi es überstanden, rettet Hunt vor dem drohenden Tod und nun zieht man gemeinsam durch die Welt von Bulletstorm.

    Die Charaktere des Spiels sind mir äußerst sympathisch. Die Sprüche sind einfach nur cool und frei von der Leber weg. Arschloch, Scheiße, Wichser und sonstige Nettigkeiten, werden von unseren Helden regelmäßig in den Raum geworfen. Ein wenig erinnern mich Hunt und Sato an unsere Helden aus ‘Gears of War’, grade dann, wenn man das Buch ‘Gears of War – Aspho Fields’ gelesen hat, kommen einem diese beiden ungleichen Charaktere recht vertraut vor.

    Das Spiel verwendet die Unrel 3 Engine, welche den typischen Charm nicht verleugnen kann. Nichtsdestotrotz wirkt die Umwelt gut gestaltet und lädt im Zusammenhand mit den Skillshots zum Experimentieren ein.

    Anders als in der Demo, treiben die Skillshots nicht einfach nur einen Punktestand in die Höhe, sondern sorgen für harte Credits in der Täsch, welche man an Versorgungskapseln gegen Kriegsgerät und Upgrades eintuschen kann. Insgesamt stehen dem Spieler im weiteren Verlauf des Spiels acht Waffen neben der praktischen Peitsche zur Verfügung, welche dank Upgrade um weitere Funktionen und Kapazitäten erweitert werden können.

    Schon den alten Chinesen war bekannt, das es tausend Arten gibt einen Tod zu sterben. Bulletstorm hat mit über 140 Möglichkeiten zwar nur einen Bruchteil dessen im Angebot, doch die Skillshot-Datenbank, welche man über die Select-Taste jederzeit aufrufen kann, liest sich wie eine Liste mit Ideen, welche dem Kopf eines gelangweilten Serienmörders entsprungen sind.

    So heisst es z.B. “Schieß einem Gegner in die Eier und schieß oder tritt ihm dann den Kopf von den Schultern” oder “Töte einen Gegner, indem Du ihn in den Arsch schießt”. Aufgrund derartiger Beschreibungen und der im Vorfeld spielbaren Demo, sollten jedem Spieler der nicht erst seit gestern dabei ist klar gewesen sein, das Bulletstorm in Deutschland entweder nicht oder stark geschnitten auf den Markt kommen wird.

    Letzteres ist dann der Fall gewesen und so hat man das Spiel der Ragdoll-Effekte beraubt, sowie das zerstückeln der Gegner, Splatter- und Bluteffekte entfernt. Das ist für mich wie eins dieser Zombiespiele, in denen man ohne den roten Saft auskommen muss – witzlos! Ich habe nun beide Versionen angespielt und die Beschneidung zerstört die Atmosphäre des Spiels ungemein. Rambo schießt doch auch nicht mit Platzpatronen?! Aber wie dem auch sei, dieser Schritt dürfte jedem im Vorfeld klar gewesen sein, daher verstehe ich die Empörung mancher Spieler nicht.

    Schlimmer finde ich die Aussagen von ‘Dr. Jerry Weichman’, Psychologe am Hoag Neurosciences Institute in Südkalifornien, welcher der Meinung ist, dass Spieler – junge Spieler – von Bulletstorm, zu Sexualstraftaten animiert werden könnten. Was möchte man Spielern da noch andichten? Keine Frage, weder dieses Spiel noch andere FSK18 Spiele sollten von Kindern gespielt werden, aber diese Aussage halte ich für sehr hoch gegriffen. Btw. hat man diverse katholische Pastore schon nach ihrer spielerischen Vergangenheit befragt?

    Zurück zum Spiel! Sound und Musik sind der Atmosphäre des Spiels angemessen gut, zusammen mit der Sprachausgabe und den flotten Sprüchen auch auf Dauer bisher nicht nervig.

    Das Gameplay geht einem locker von der Hand, die Steuerung ist schnell verinnerlicht und somit steht dem Spielspass nichts entgegen. Ich habe das Spiel anfangs auf ‘Schwer’ gestartet und war erst enttäuscht, dass die Gegner sich doch relativ leicht ausknipsen lassen. Aus diesem Grund stellte ich den Schwierigkeitsgrad dann auf ‘Sehr Schwer’, was während des Spiels jederzeit möglich ist. Doch schnell stellt sich dann heraus, dass man auch zu Beginn mit ‘Schwer’ recht gut bedient ist, wenn man das Spiel selbst und die Skillshots noch geniessen möchte. Schraubt man den Schwierigkeitsgrad runter, ist dies unter Androhung des Verlustes möglicher Erfolge auch jederzeit machbar.

    Mein Eindruck nach dem ersten Akt ist nun, das Bulletstorm [AT] sich definitiv gelohnt hat und ein super Titel ist, um die Wartezeit auf ‘Gears of War 3‘ zu verkürzen. Wer die Epic Edition besitzt, kommt zudem in den Genuss die Beta von Gears of War 3 spielen zu dürfen – das ist inzwischen zu einer Mode geworden, welche ich persönlich als sehr positiv empfinde.

    Bevor man sich im Multiplayer vergnügt, wird empfohlen, die inclusive Prolog acht Akte als Solist durchzuspielen, um sich an Steuerung und Möglichkeiten der Interaktion zu gewöhnen. Dieser Empfehlung komme ich nach und so werde ich mich auch erst durch den letzten Akt ballern, bevor ich mich – vielleicht mit einigen Boxtopen – der Mehrspielererfahrung hingeben werde. Dazu werde ich dann in einem weiteren Post meinen Senf zu abgeben. Btw. das Spiel erscheint offiziell am 24. Februar 2011 für die Xbox 360, PS3 und den PC.


    Posted on by Otti in Games, Preview, Xbox 360

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